MORGENTHAU

Zurück aus Ägypten

Mohammed aus Baghdad berichtet - Iraq the Model Weblog


Ich bin nun zurück in Baghdad, nachdem ich eine Woche in Kairo auf einem Seminar für Blogger und Aktivisten war. Dieses Seminar wurde u.a. vom Cato Institute, dem Amerikanisch-Islamischen Kongress und HamsaWeb unterstützt.

Es war eine sehr interessante und informative Erfahrung mit Menschen wie Dr. Palmer, Johan, Zainab und Jess zu reden. Das Training wurde von Dr. Shafeeq, dem Kopf der Amerikanischen Universität in Kairo geleitet.
Noch aufregender aber war die Menge an jungen Männern und Frauen, die ähnliche Hoffnungen und Sorgen wie wir haben. Wir diskutierten unsere Fähigkeiten und Möglichkeiten in der gefährlichen Situation in der sich unsere Region befindet. Ob es möglich wäre der Bedrohung etwas entgegen zu setzen - der Bedrohung durch totalitäre Regime und Extremismus, die nichts hören wollen was ihrer rückwartsgewandten Ideologie widerspricht, die sie den Leuten aufzwingen wollen.

Das ist wirklich nicht leicht und ich applaudiere diesen jungen Menschen für ihre Courage und Bestimmtheit, die so hart in ihren Gesellschaften arbeiten um die Rechte zu bekommen und für sich für Freiheit und Demokratie einzusetzen in einer Umgebung, welche nur feindlich gegenüber allem Neuen genannt werden kann.

Meine Teilnahme an diesem Treffen hat jedenfalls meine Hoffnung genährt und verstärkte mein Gefühl, dass wir diesen Kampf nicht allein kämpfen.
Schön war auch, dass jeder bei dem Treffen dem Projekt Irak alles Gute wünschte und jeder hoffte, dass dies dann Auswirkungen im positiven Sinne auf die Umgebung haben würde.

Auf der anderen Seite gibt es den destruktiven Effekt der Medien die gerne die schlechten Seiten der Entwicklung herausstellen. Die Irak als ein Land der Autobomben porträtieren und die guten Entwicklungen nicht erwähnen. Dieser Effekt zeigte auch auf der Konferenz leider seine Wirkung.
Ich habe den Nicht-Irakern bei der Konferenz immer wieder gesagt, dass man etwas so gewaltiges wie einen Regime Change im Irak nicht in so kurzer Zeit beurteilen könnte, verglichen mit den Geschichten anderer Nationen.
Ich weiß im Rauch des Krieges sind die positiven Seiten oft nicht zu sehen, aber als ich das Land verließ und nach Ägypten zur Konferenz reiste um mir die Geschichten aus dem Mittleren Osten und Ländern Afrikas anzuhören, konnte ich sie klar fühlen.

Es mag seltsam klingen, aber in Ägypten fühlte ich etwas, was ich in meiner kriegsgeplagten Heimatstadt nicht fühle: Das erste Mal seit 3 Jahren fühlte ich mich bedrängt von einer Regierung. Ich erzählte einigen Leuten dort, dass ich mich in Baghdad sicher fühle, dass ich manchmal Angst vor den Terroristen habe, aber dass ich niemals die Regierung fürchte und nicht nur ich, sondern alle Iraqis haben keine Angst ihre Meinung offen zu sagen und dass sie mit der Regierung teilweise gewaltig unzufrieden sind. Denn andererseits sind wir Teil der Regierung seit sie durch uns an die Macht kam. Und diese Regierung und die Verfassung hat anders als die Terroristen und Milizen ein starkes Fundament.
Natürlich brauchen wir ne Menge Arbeit um auf diesem Fundament was zu bauen. Aber wir werden sicherlich nicht aufgeben!

Also in Kairo saß ich im Garten des Hotels und las ein Buch, als mich ein Mann überraschte, der mich an Saddams Sicherheitsleute erinnerte. Er sagte nur: "Glaub denen nicht." - "Wer ist ihnen?" frug ich verwundert. - "Diesen Menschen." sagte er und zeigte auf das Buch in meiner Hand. Er sagte: "Wir haben ein gutes System das durch die Regierung und den Islam repräsentiert wird. Vielleicht brauchen wir kleine Veränderungen, aber diese Leute wollen deine Kultur und deinen Glauben zerstören."
Ich hatte Angst diese Konversation würde damit enden, dass er mich über meine Freunde ausfragen würde und ähnliches, deshalb beendete ich sie. Irgendwie fühlte ich mich jedoch zurückgeschleudert in eine Zeit die ich verdrängt hatte die letzten 3 Jahre.

Ich fühlte mich auf einmal als müsste ich meinen Mund halten gegenüber der einfachen Reinigungskraft im Zimmer. Die arbeitete und sagte: "Wenn ihr für Veränderungen seit, dann bin ich ganz bestimmt auf eurer Seite." Es war eine freundlich Geste, aber mit diesen Gefühlen konnte ich nur sagen: "Nein, nein. Wir wollen keine Veränderungen."

Ich habe keine Angst über Veränderungen zu reden, wenn ich im Irak bin. Pluralismus ist ein Faktum hier. Man sieht es an den vielen Parteien. Aber in Kairo hatte ich Angst mich öffentlich zu äußern.

In dem Augenblick wusste ich den Unterschied und wünschte mir augenblicklich wieder in Baghdad zu sein. Ich weiß die Balance stimmt dort nicht so ganz, aber die "welche temporäre Sicherheit wollen, werden niemals Sicherheit bekommen." (Benjamin Franklin).

Ich denke dieser Kampf ist richtig und die Opfer wert und ich habe zusätzliche Gründe erfahren und Motivation gewonnen. Es sind die Menschen ("das Volk"? - "the people" im Original) die uns gewinnen sehen wollen. Und unserer Kampf macht vielleicht die zukünftigen in der ganzen Region einfacher.



Übersetzung: Morgenthau

31.8.06 15:14

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


salty / Website (12.10.06 00:33)
super! daumen hoch!


salty / Website (12.10.06 00:34)
sorry, falscher artikel. sollte eigentlich zur chipstuete. das hier ist natuerlich auch super :-)

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